Gelem gelem – Ich bin weit gewandert

Seit 1990 findet der Internationale Tag der Roma am 8. April statt. Ziel des Tages ist, auf die Roma als größte Minderheitengruppe Europas aufmerksam zu machen.

An diesem Tag gedenken wir dem ersten Welt-Roma-Kongress, der am 8. April 1971 stattfand. Dabei legten Vertreter der Gruppe die Eigenbezeichnung „Roma“ fest sowie eine eigene Flagge und die Hymne „Gelem gelem“ („Ich bin weit gewandert“). Das Blau der Flagge steht für den Himmel, das Grün für die Natur und das Rad als Chakra-Symbol für die indische Herkunft. Vermutlich steht das Rad für das Umherziehen, daher ist die Flagge umstritten, weil viele Roma mittlerweile sesshaft sind und sich nicht mit dem Vorurteil des Umherziehens identifizieren.

Neben dem Erinnern wird die Kultur der Roma mit Musik und Tanz gefeiert. Roma-Organisationen planen Veranstaltungen für den Welt-Roma-Tag, denn die Roma sind immer noch das am meisten diskriminierte Volk Europas.

Seit dem 15. Jahrhundert gibt es Roma in Österreich. Schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg – Mitte des 17. Jahrhunderts – wurden Roma ausgestoßen und vertrieben. Im 18. Jahrhundert, unter Kaiserin Maria Theresia und ihrem Sohn, sollten sich die Roma anpassen: Um sie sesshaft zu machen, nahm man ihnen Wagen und Pferde weg. Die Kinder gab man in christliche Pflegefamilien. Die eigene Sprache der Roma wurde verboten. Doch die Bevölkerung wehrte sich dagegen, Roma aufzunehmen. Weiterhin ausgestoßen schafften es nur wenige, sich anzupassen und Grund zu erwerben.
Die Habsburger erließen im 19. Jahrhundert weitere Gesetze gegen Roma. Für die Armenfürsorge waren die jeweiligen Heimatgemeinden zuständig. Um das Heimatrecht zu erlangen, benötigten die Roma Staatsbürgerschaftsnachweise, welche sie nicht hatten. Umherziehende wurden abgeschoben oder inhaftiert und zur Zwangsarbeit verpflichtet.
Später vertraten die Nationalsozialisten die Ansicht der „Kriminalbiologie“: Roma seien erblich bedingt kriminell veranlagt und müssten deshalb beseitigt werden. Unter dem Vorwand, vorbeugend zukünftige Verbrecher in „Schutzhaft“ zu nehmen, wurden Roma in Konzentrationslager deportiert.

Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg hatten es die Roma nicht leicht. Lange mussten sie darum kämpfen, als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt zu werden. Sie schlossen sich zu Verbänden zusammen, um ihre Rechte einzufordern. Viele dieser Vereinigungen wurden aber von Regierungen zerschlagen oder ihre Forderungen wurden ignoriert. In den kommunistischen Staaten konnten sie keine Organisationen gründen. Im Gegenteil, dort wurde ihnen das Reisen verboten, ihre Siedlungen wurden aufgelöst, die Wagen zerstört, die Pferde getötet. Sie sollten sogar zwangsweise sterilisiert werden.

Im Burgenland kehrten viele Roma nach dem Zweiten Weltkrieg dorthin zurück, wo ihre Siedlungen gewesen waren. Diese waren jedoch niedergebrannt, Häuser abgerissen und darauf neue Gebäude errichtet. Für ihre zerstörten Häuser bekamen sie keine Entschädigung, da sie nicht nachweisen konnten, jemals welche besessen zu haben. Das Gedankengut, dass Roma „asozial“ und „arbeitsscheu“ wären, war in der Bevölkerung verankert. Widerwillig wurden ihnen neue Grundstücke zur Verfügung gestellt, wieder außerhalb des Ortsgebiets.
In Österreich wurden Roma erst 1993 als sechste Volksgruppe anerkannt.
Um die fortwährende Benachteiligung zu beenden, verabschiedete die Europäische Kommission 2011 den „EU-Rahmen für nationale Strategien zur Integration der Roma bis 2020“. In erster Linie soll der Zugang zu Bildung, auch Erwachsenenbildung, verbessert werden, um einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Ebenso wichtig ist die Bekämpfung des Antiziganismus (Hass gegen Roma). Eine Zwischenbilanz aus 2018 zeigt, dass bisher in erster Linie das Ziel der Bildung verfolgt werden konnte.

Hobbyhistoriker Fritz Radlspäck hat in seinem Buch „Nicht systemkonform“ unter anderem das Schicksal der Roma im Nationalsozialismus erforscht und dokumentiert.

Quellen und weitere Informationen (abgerufen am 6. April 2020):

dijaspora.tv

http://rombase.uni-graz.at/ped/data/his.de.pdf

http://www.burgenland-roma.at/index.php/geschichte/zur-sozialen-situation-der-roma-nach-1945

http://www.erinnern.at/bundeslaender/oesterreich/e_bibliothek/roma/eu-rahmen-fuer-nationale-strategien-zur-integration-der-roma-bis-2020/Gernot%20Haupt%20Nationale%20Strategien%20zur%20Inklusion%20der%20Roma.pdf

http://www.erinnern.at/bundeslaender/oesterreich/gedenktage/8.-april-internationaler-roma-gedenktag

https://burgenland.orf.at/v2/news/stories/2897299/

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/de/ALL/?uri=CELEX%3A52011DC0173

roma-und-sinti.kwikk.info

https://www.bmbwf.gv.at/Themen/euint/ebr/nwst/roma.html

https://www.feiertage-oesterreich.at/festtage/tag-der-roma/

https://www.politik-lernen.at/dl/ppsuJMJKomlmMJqx4kJK/pa_2019_8_Roma_in_Oesterreich_web.pdf

https://www.progress-online.at/artikel/roma-frauen-%E2%80%9Ewir-wissen-was-das-beste-f%C3%BCr-sie-ist%E2%80%9C

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