In der Stille des Verlagsbüros

Damit ein Schreiben gelingt, braucht es Muse und das Herz muss übergehen – übergehen vor Freude oder übergehen vor Trauer und Schmerz. Damit ein Schreiben gelingt, braucht es auch die Stille, die Stille im Verlagsbüro. Die Arbeit ruht vom 24. Dezember des alten Jahres bis 10. Jänner im neuen Jahr. Die Geschäftigkeit des abgelaufenen Verlagsjahres war geprägt von zahlreichen Marketingaktivitäten, Pressearbeit, Präsentationen auf Messen, vier neuen Titeln plus einer Neuerscheinung am Jahresende. Der umfangreiche Bericht über das Jahr 2021 ist in Arbeit. Die Dokumentation der Aktivitäten mit Kostenaufstellung liegt bereits auf meinem Schreibtisch. Der Lagerstand unserer Titel wird noch in den Ferien überprüft und aktualisiert. In der ersten Arbeitswoche nach dem Betriebsurlaub hat in unserem Verlag die Abrechnung der Autorenhonorare Priorität. Ebenso steht die Analyse des vergangenen Verlagsgeschäftsjahres an, und die Neuausrichtung. Es ist für mich als Verlagsleiterin gängige Praxis, das ganze Jahr über, auf eine laufende Evaluierung der Einzelmaßnahmen zu achten um diese Sammlung von Beurteilungen, Beobachtungen und Erfahrungen sinnvoll für weiteres Vorgehen zu nutzen.

Nachdenklich. Es kommt mir in den Sinn, dass dieses Jahr die wohl häufigste Frage an mich lautete: „Wie war es in Frankfurt, Berlin und auf der Buch Wien?“ Meist bin und war ich in der Versuchung zu sagen: „Ganz ehrlich? Finanziell war und ist jede Messe ein Desaster.“ Aber gerne bringe ich es lieber so auf den Punkt: „Die persönliche Präsenz mit der öffentlichen Sichtbarkeit unserer Titel auf Messen ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und sich langfristig bezahlt macht. – Wir werden 2022 mit unseren Büchern wieder auf Messen vertreten sein!“ Letztendlich ist es die Summe aller Maßnahmen, die zum Erfolg führt, so gesehen braucht es da und dort eine Gewichtung unabhängig einer finanziellen Bewertung.

In der Stille des Verlagsbüros gibt es für mich die Gelegenheit, lesenswerte Artikel, beiläufig für später abgelegt, aufzuarbeiten. Es ist ein Hineinhören in die Buchbranche, ein Versuch abzulesen, welche unterstützenden Maßnahmen seitens des Verlages für den stationären Buchhandel sinnvoll sind, um Leserinnen und Leser zu erreichen. Die Buchbranche ist generell, so wie jede Branche, wirtschaftlich gefordert und die zweijährige coronabedingte Krise beschleunigt so manche Entwicklung. Meine Lektüre: HVB-Lesestudie Digital Natives, Buchhandelspanel der mediacontrol erstellt im Auftrag des HVB, Stationärer Buchhandel versus Onlineshop. Kein entweder oder, sondern – arbeits- und kostenintensive Online-Umstellung – ein Muss? Nachzulesen im „anzeiger“, das Magazin für die österreichische Buchbranche, Ausgabe 12/2021. Ein weiterer für mich interessanter Artikel, mit Blick in die Zukunft: Online gelesen auf buchmarkt.de – „BuchMarkt. Das Ideenmagazin für den Buchhandel“ – „Der Kosten-Tsunamie rollt an“, im Gespräch: Stephan Schierke, er beschreibt, worauf die Branche jetzt zusteuert, wenn sie bei steigenden Lohn-, Material- und Transportkosten nicht gegensteuert. Alarmierend ein Zitat von Stephan Schierke: „Wenn alle, die sich angesprochen fühlen, für jeweils fünf neue Titel sechs schlecht verkäufliche Titel makulieren oder verramschen, dann bewegen wir uns in die richtige Richtung“. – Diese Aussage fordert von mir eine längere Nachdenkpause mit eigener betrieblicher Faktenprüfung und am Ende steht letztendlich, voraussichtlich eine neue Verlagsstrategie.

Die Verlagsarbeit ist und bleibt spannend. Die Neuausrichtung beinhaltet wohl das kontinuierliche Weiterführen des Bewährten und neue, innovative, engagierte Maßnahmen für jeden lieferbaren Titel unseres Verlages – die Motivation ist groß, in der Stille des Verlagsbüros. 🙂

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