Anton

So wie es war, so wie es ist. Eine Betrachtung. Wie aus einer einfachen Anfrage ein Verlagsprodukt entsteht. Im Juli 2021 erreichte uns eine E-Mail: „Ich habe ein Schriftstück mit dem Titel ‚Anton, Erinnerungen eines Buben auf dem Lande‘ verfasst und suche dafür einen Verleger. Es umfasst 75 Seiten (Maschingeschrieben). Könnten Sie mich dabei beraten. Vielen Dank für Ihre Antwort. Anton Faymann“ – Eine Anfrage ohne Kontaktdaten, wieder einmal. Also bitten wir um die Kontaktdaten und erhalten einen Telefonanruf aus Spanien. Telefonisch erklärten wir dem Autor, wie die Vorgehensweise unserer Verlagsarbeit aussieht. Anschließend kam per E-Mail das Manuskript. Im Februar 2022 war es dann soweit, wir besprachen per E-Mail die Details für den Verlagsvertrag und unterzeichneten diesen. März 2022, wir starten unsere Arbeit für das Buch: „Anton. Erinnerungen eines Buben auf dem Lande.“

Dkfm. Dr. Anton Faymann, 1933 in Dörfl im Burgenland geboren. Er hat seine Erinnerung an die Kinder- und Jugendzeit in einer Erzählung festgehalten. Ein Zeitdokument, welches die Jahre seiner Vorfahren von 1880 sowie seine Jahre von 1933 bis zur Auswanderung nach Australien 1955 umfasst. Mit Anton Faymann blicken wir durch die Augen eines Buben, der schildert, wie das Leben „Seinerzeit“ ausgesehen hat. Und das Schöne daran, er findet Worte ohne Bitterkeit und er erzählt über eine schwierige Zeit, die so war, wie sie war, die für ein Kind ist, wie sie eben ist. Einzelne Episoden sind so bildhaft beschrieben, dass sie noch lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleiben. Und sie ermöglichen uns die Persönlichkeit des Autors zu erahnen, ohne ihn je persönlich getroffen zu haben. 

Am Beginn des Buches schreibt Anton Faymann über seine Familie. Über seinen Großvater – Zitat:

„Er hatte zwei leichte Pferde und war mit seiner Kutsche (Kalesche) oft tagelang zwischen Wien und Budapest unterwegs. Sein Kutscher hieß Janos (Janosch), und wenn sie nicht gerade unterwegs waren, half er auf den Feldern. Mein Großvater war äußerst bekannt für seine starke Stimme. Am Eingang zur Gastwirtschaft gab es einen erhöhten Vorbau aus Beton mit Stufen. Wann immer mein Großvater losfahren wollte, und Janos war auf dem Felde, ging er hinaus auf den Vorbau, legte beide Hände an den Mund und rief: ‚Janos, einspannen!‘, und Janos, der oft mehr als einen Kilometer weit auf einem Felde arbeitete, kam nach Hause und spannte ein. Ich habe meine Stimme von meinem Großvater ererbt. Vielfach meinten Leute, mit denen ich gelegentlich als Erwachsener sprach, ich wäre erregt oder gar erzürnt, weil ich so laut redete. Im späteren Berufsleben sagte mir einmal eine Sekretärin sogar: ‚Herr Faymann, Sie haben keine Stimme, sie haben ein Nebelhorn.‘“

Dieser Absatz ist so sehr aus dem Leben von Anton Faymann gegriffen, die beschriebene Beschaffenheit der gewaltigen Stimmkraft ist einerseits eindrucksvoll und anderseits macht es die Person äußerst sympathisch. Der Autor nimmt uns mit in seine Kindheit und Jugendjahre. Er gibt Einblick in seine persönliche Familiengeschichte, berichtet über historische Einflüsse, erzählt über das Leben in Dörfl, Oberpullendorf, den Krieg, die Bubenjahre und die Kinderlandverschickung. Nimmt uns mit nach Kirchschlag in der Buckligen Welt, wo er seine Lehrjahre absolvierte.

Zitat:

„Dann war es so weit. Meine Mutter packte mir den Koffer und wir fuhren sehr früh mit einem Pferdefuhrwerk nach Kirchschlag in der Buckligen Welt, das ungefähr fünfundzwanzig Kilometer von Dörfl entfernt liegt. Es war am 1. Juni 1948. Mein künftiger Lehrherr betrieb einen Großgasthof und eine Fleischhauerei mit intensiver Wursterzeugung. Meine Mutter und mein künftiger Lehrherr bereiteten den Lehrvertrag vor. Er sah meine Ausbildung als Kellner und Fleischergeselle mit einer Dauer von vier Jahren vor. Mein Lehrherr, den ich von nun an stets als Herr Chef ansprach, zeigte mir mein Zimmer und forderte mich auf, mir Arbeitskleider anzuziehen. Dann brachte er mich in den Hof zu einem Haufen alter Ziegel, auf denen zum Teil noch trockner Mörtel klebte. Er gab mir einen Hammer in die Hand und sagte: ‚Damit kannst du den Mörtel von den Ziegeln herunterschlagen.‘ Ich musste also alte Ziegel im Hof reinigen, während meine Mutter noch mit ihm in der Gaststube saß. Das erzeugte in mir rebellierende Gedanken und ich fragte mich, ob ich hierherkam, um etwas zu lernen, oder um ausbeuterische Kinderarbeit zu verrichten.“

So begann Antons Berufszeit 1948 als Lehrling – 1994 trat Dkfm. Dr. Anton Faymann seinen Ruhestand an, nach einem bewegten, erfolgreichen beruflichen Weg, der ihn über Wien nach Afghanistan, Gambia, die Schweiz und Chile führte.

Ein spannendes Leben, welches uns ermöglicht, Geschichten, die das Leben schreibt, zu lesen.

Das Buch „Anton. Erinnerungen eines Buben auf dem Lande“ von Anton Faymann erscheint im September 2022.

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