Autorenporträt – Mag. Ludwig Drahosch

Autorenporträt – Mag. Ludwig Drahosch

Mag. Ludwig Drahosch, Jahrgang 1969, ist ein Meister der Künste: Malerei, Zeichnung und Fotografie. Er ist Philosoph und Schriftsteller. In Wien geboren und aufgewachsen, besitzt er den Wiener Charme und Melancholie. Von Geburt an ausgestattet mit einem großen Talent, ausgeprägter Beobachtungsgabe, Kreativität und der Fähigkeit, hinter den Dingen zu sehen sowie diese mithilfe der ihm eigenen Intuition in die Realität zu holen, gaben bereits von Anfang an seinen Lebensweg vor. Ohne zu wissen, wohin dieser führen würde.

Bereits im Alter von zehn Jahren hatte er über zweihundert anatomische Zeichnungen angefertigt. Zwischen seinem vierzehnten und zwanzigsten Lebensjahr kopierte er im Kunsthistorischen Museum in Wien alte Meister und eignete sich die Techniken der italienischen, holländischen und deutschen Renaissance sowie die des darauffolgenden Barocks an. Mit Geduld und Ehrgeiz gelang ihm, im Alter von fünfzehn Jahren, eine Kopie von Breughels „Turmbau zu Babel“ – eine Auftragsarbeit. Ludwig Drahosch: „Ich sah mir das Bild an, sah tausende kleine Menschen und neben dem Turm zu beiden Seiten, zwei Städte mit hunderten Häusern, hölzerne Maschinen und auch Schiffe, unzählige Türen und Fenster, Seile, Werkzeuge u.v.m. Im Vordergrund Figuren mit Porträts und Pflanzen, bis hin zu Männern, die am Fluss ihr Geschäft vollrichteten und das alles sollte ich detailgetreu wiedergeben ohne Unterschiede zum Original. Nur der Steinmetz im Vordergrund sollte das Gesicht des Auftraggebers bekommen. Ich sagte ‚ja, ich kann das‘ und hab das fertige Bild ein Jahr später abgeliefert.“ – Von der Zielstrebigkeit, seiner künstlerischen Neigung und malerischen Fähigkeit nachzugehen, zeugen die Jahre zwischen fünfzehn und neunzehn Jahren in Ludwig Drahoschs Leben, worüber er selbst sagt: „Nach Bruegel folgte Rachel Ruysch, Franz Hals, Rembrandt, Tizian, Franz van Miris, Gerard Dou, Caravaggio, Vermeer und viele andere. Es war die Zeit im Kunsthistorischen Museum, als ich mit fünfzehn Jahren die Schule schmiss, eine Staffelei nahm und mich ins Kunsthistorische Museum ‚einquartierte‘, um fünf Jahre meines Lebens damit zu verbringen Altmeister zu studieren und zu kopieren. Für jeden Maler andere Pinsel, andere Öle, für Rembrandt eingedicktes Leinöl mit Mastix, für Vermeer Venezianer Harz mit Dachshaarpinsel, für Dürers Haare Nussöl, die Untermalungen und Grundierungen veränderten sich je nach Zeit und Ort. Die Anekdoten und auch das Wissen um die Malerei wurden durch Besucher täglich erweitert. Mit neunzehn Jahren konnte ich von mir behaupten, alles Wesentliche von der Renaissance und dem Barock auf malerischer Ebene zu wissen.“ – Es folgten die ersten eigenen Bilder. Diese entstanden über Assoziationspaletten, lehnten sich an den Surrealismus, und versuchten, eine eigene Bildsprache zu entwickeln.

Im Rahmen seines Studiums an der Akademie der bildenden Künste Wien lernte er unter anderem bei Arik Brauer und Hundertwasser die Moderne kennen. 1997 erhielt Ludwig Drahosch die Goldene Füger-Medaille. Daneben studierte und befasste er sich intensiv mit Philosophie, um zu ergründen, woher viele für ihn nicht nachvollziehbare Auffassungen der Postmoderne rührten. Mit dem Wissen über Philosophiegeschichte und deren Vertreter sowie dem Wissen über Kunstgeschichte und deren Maler wurde sein Blick auf die Maler ein anderer. Sah er als junger Maler zuerst nur die Technik, begann er nun das Thema, die Komposition mit neuen Augen zu sehen und begriff mit der ihm eigenen Sichtweise deren Bedeutung für ihre Vergangenheit und Zukunft. Ludwig Drahosch über diese Zeit: „Ich begann zu spüren, wie die Maler dachten, weil ich von der Philosophie lernte, welche Weltanschauungen ihnen zugrunde lagen. Und ich erkannte für mich, wir – Spezialisten für die Künste – haben etwas vergessen, als sich nach dem Symbolismus und dem Surrealismus die abstrakte Kunst ihren Weg als eigene Wirklichkeit bahnte, wir vergaßen das Schöne zu schützen, die Anmut zu bewahren und der Liebe ein Schloss zu bauen.“

Nach zwanzig Jahren Ausstellungstätigkeit (vor allem in Los Angeles) übernahm er mit seiner Partnerin, der Schauspielerin und Regisseurin Nina C. Gabriel, die Leitung des Ateliertheaters in Wien, 2013–2016. Gleichzeitig wurde er durch Nina wieder an die Ursprünge der Malerei erinnert. Mag. Ludwig Drahosch: „Oft habe ich das Gefühl, die vergangenen Epochen vor der Dummheit der Gegenwart schützen zu müssen. Das mache ich seit 25 Jahren, doch jetzt erst, seit die Cancel und Woke Kultur auch außerhalb der bildenden Kunst sichtbar wird, habe ich das Gefühl, dass man versteht, worum es mir geht. Meine Novelle ist ein solcher Versuch, der Renaissance wieder ihren Traum zu schenken. Letztlich benötigen wir so viele Positionen wie möglich, im Idealfall für jeden Menschen eine eigene. Wie schön wäre es, wenn es endlich durchsickern würde, dass für jeden Menschen etwas anderes richtig ist.“ Und weiter: „Da stehe ich nun im Hier und Jetzt wieder voller Ideen und der Erkenntnis, dass ich nicht GEGEN, sondern FÜR etwas zu kämpfen habe. Die Wörter wurden zu Freunden, Erzählgemälde entstanden und entstehen.“

Simonettas Schatten” ist der Anfang.

Gegenwärtig dreht Drahosch Filme und hält Vorträge wie „Die Gegenwart aus der Sicht der Renaissance“.

Das Bild zeigt Mag. Ludwig Drahosch an seinem Arbeitstisch. Foto © Rainhard Lehninger

 

#drahosch

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