Das Federnschleißen

Da es damals sehr viele Enten und Gänse in jedem Haus gab, hatte man auch viele Federn. Die wurden nach dem Rupfen in schöne Stoffsäcke gefüllt und im Winter wurden die Federn geschlissen, dabei wurde das reine Federnmaterial vom Federkiel gezogen. Wenn es im Haus Mädchen gab, so musste die Mutter Federn schleißen, damit die Mädchen dann bei der Heirat genug Tuchenten und Pölster hatten.

Im November, wenn die Tage kürzer und die Nächte länger wurden, begann man am Abend nach dem Nachtmahl mit dem Federnschleißen. Sieben bis zehn Frauen kamen da zusammen, Verwandte, Nachbarn und Bekannte. Federnschleißen war eine reine Frauensache. Sie saßen rund um den großen Tisch und eine Frau räumte die Federn aus dem Sack auf den Tisch. Bei dieser Arbeit ging es immer sehr lustig und gemütlich zu. Es wurden Dorfneuigkeiten ausgetauscht wie immer, wenn viele Frauen beisammen waren. Es wurde erzählt, wer im Fasching heiraten wird oder gerätselt, welcher Bursch zu welchem Mädchen ging usw.

Die fertigen Federn wurden neben den Frauen auf dem Tisch zu einem Häufchen zusammengelegt und kamen dann wieder in einen reinen Inlettsack und wurden zum Füllen der Tuchenten aufgehoben.

Wenn Burschen wussten, wo Federn geschlissen wurden, fingen sie Spatzen und oft auch Tauben und ließen diese zur Tür rein. Die Vögel flatterten aufgeregt durch den Raum und die Federn flogen in der Stube umher. Meistens bekam der Hausherr von den Frauen den Auftrag, aufzupassen, dass keine Burschen ins Haus kämen. Aber nicht selten war dies zwischen dem Hausherrn und den Burschen eine ausgemachte Sache und alle hatten so ihren Spaß.


Geschichten aus Gols
Johann Nittnaus

98 Seiten
14,00 €