Der Petsch-Vetter und sein Pferd

Der Petsch-Michel-Vetter, unser Nachbar, kam ganz aufgeregt und nervös zu uns und sagte, sein Pferd sei krank. Es taumelte im Hof von einer Seite zur anderen. Er sagte mir, der Tierarzt sollte auch sofort kommen, er habe ihn schon gerufen. Ich trat zum Pferd, sah es mir an und stellte fest, dass es ganz teilnahmslos war. Ich fragte ihn, ob das Pferd vielleicht vom Weingeläger geleckt habe? Der Michel-Vetter sagte: „Beim Weingeläger zusammenfahren schleckt es immer, es schmeckt ihm sehr gut.“ Es war mir sofort klar, dass das Pferd total betrunken war. Nun kam auch unser Tierarzt, Dr. Prügelhof, herbei. Er sah das Pferd an, schüttelte den Kopf und sagte: „Ich gebe ihm jetzt eine Spritze.“ Nun nahm der Michel-Vetter seinen Hut ab und sagte: „Herr Doktor, schaun’s mich an und das Pferd.“ Da lachte der Tierarzt und sagte: „Ich hab es schon bemerkt, dass Herr und Pferd einen Rausch haben.“ Dann fragte der Michel-Vetter: „Was bin ich Ihnen schuldig, Herr Doktor?“ „Zwei Flaschen Schnaps!“ antwortete der Tierarzt und ging. Herr und Pferd schliefen den Rausch aus und alles war wieder in Ordnung.


Geschichten aus Gols
Johann Nittnaus

98 Seiten
14,00 €