Das Kukuruzhebeln

Anfang September reifte der Kukuruz und wir begannen mit der Ernte. Die Kukuruzkolben mussten von den Blättern, der Kukuruzhebel, befreit werden. Am Abend kamen dann die Nachbarn und gute Bekannte und halfen „Kukuruzhebeln“.  Wir waren bei uns immer 12 bis 16 Personen. Da wurde während dieser Arbeit viel erzählt, man hörte die Dorfneuigkeiten und es wurden lustige Witze gemacht. Wir Kinder durften nur bis 20.30 Uhr abends aufbleiben, da wir ja am nächsten Morgen zur Schule mussten. Gehebelt wurde immer so bis zehn Uhr abends. Es hieß immer, wer einen Kolben mit roten Körnern fand, der durfte mit dem Hebeln aufhören und nach Hause gehen. Man freute sich dann immer, falls man wirklich einen fand, aber heim ging keiner. Wenn Schluss gemacht wurde, wuschen sich alle die Hände, denn es gab einen kleinen Imbiss. Die Frauen aßen in der Küche Weintrauben, Zwetschken und Brot dazu, die Männer und die Burschen gingen in den Keller und tranken gemütlich ein paar Gläschen Wein. 

Die Maiskolben, die gehebelt waren, wurden am Abend in der Scheune auf einen Wagen geworfen, dieser Wagen wurde dann am nächsten Morgen abgeladen und der Kukuruz kam für Futterzwecke in die Tschardake. Dort konnte er trocknen und wurde dann im Winter aus der Tschardake geholt und gerebelt (die Maiskörner wurden vom Kolben entfernt). Die Kukuruzblätter wurden gut verstaut und im Winter als Viehfutter verfüttert. Wenn die Hebel schön war, wurde sie auch zum Neufüllen der Strohsäcke verwendet. Damals gab es noch keine Matratze, da schlief man noch auf Strohsäcken.

Je mehr Mädchen beim Hebeln halfen, umso mehr junge Burschen kamen auch dazu. Im Jahre 1939, erinnere ich mich, waren wir einmal 30 Personen beim Kukuruzhebeln. Auch ein Ziehharmonikaspieler war dabei. Da wurde erst um 23.00 Uhr Schluss gemacht, weil es sehr lustig war. Wenn so viele Leute mithalfen, kam es schon vor, dass viele Kolben nicht auf dem Wagen, sondern in dem Hebelhaufen landeten. Am nächsten Tag mussten dann die Kukuruzkolben aus der Hebel geklaubt werden.


Geschichten aus Gols
Johann Nittnaus

98 Seiten
14,00 €