Die Schule

Die Lehrer waren damals zum Großteil sehr streng. Oft ließen sie die Kinder nachsitzen, eine Stunde nach dem Unterricht, oder auch Strafe schreiben. Da musste man ein vorgegebenes Stück 20 bis 50 Mal abschreiben.

Ein Schüler, der nichts gelernt hatte oder dumm war, musste sich in die letzte Bank setzen. So wurden oft während einer Unterrichtsstunde 15 Minuten lang nur die Plätze getauscht. Wenn man Glück hatte und gelernt hatte, konnte man in zwei bis drei Tagen wieder in der ersten Bank sitzen. Zur letzten Bank sagte man  „Eselsbank“, dort saßen die Schüler, die nichts konnten und wurden vom Lehrer als „blöde Eseln“ bezeichnet.

Ich erinnere mich, dass wir in der 1. Klasse eine Tafel mit Schwamm und Lappen, und einen Griffel (Graphitstift) zum Schreiben und Rechnen verwendeten. Der Griffel musste am Abend immer gespitzt werden und Schwamm und Lappen mussten feucht sein. Diese hingen von der Schultasche heraus, denn sonst löschten sie die Tafel und die Aufgabe oder das Gelernte in der Schule war weg.

Mit dem schön gespitzten Griffel konnte man schön schreiben. Die ersten drei Tage in der 1. Klasse schrieben wir mit dem Griffel in der Luft, auch mussten wir die Auf- und Abstriche üben, ebenso Punkt und Strich, das war ja ganz lustig. Während des Schuljahres lernten wir sehr viel auswendig und am Schulende mussten wir in der Kirche eine Prüfung machen. Der Herr Pfarrer, Senior Geistlinger, sagte da zu uns: „Am Anfang des Jahres konntet ihr noch nichts, jetzt aber könnt ihr lesen und schreiben, zeichnen, singen und rechnen.“ Da kamen wir uns schon fast wie Gelehrte vor, so feierliche Worte taten uns Kindern gut nach so großer Aufregung.

Zur Weinlese gab es immer eine Woche Leseferien. In der 6. und 7. Klasse konnte man sich ab und zu einen halben Tag von der Schule „ausbitten“, um für die Mithilfe bei der Arbeit schulfrei zu bekommen.

Nach der Prüfung kamen dann die großen Ferien. Da gab es ein großes „Hallo“ und die Kinder stürmten zur Klassentüre hinaus. Heute können sich viele gar nicht mehr vorstellen, unter welchen Bedingungen damals unterrichtet wurde und trotzdem sind tüchtige und gescheite Menschen aus dieser Schule hervorgegangen.


Geschichten aus Gols
Johann Nittnaus

98 Seiten
14,00 €