Sitten und Bräuche bei Hochzeiten

Eine Hochzeit war früher ein großes Familienfest. Einige Wochen vorher wurden schon allerlei Vorbereitungen getroffen und die Einzuladenden festgestellt. Besonders die Kinder waren voller Vorfreude, wenn sie erfuhren, dass sie zur Hochzeit eingeladen werden. Nach den Brautleuten waren die Taufpaten die wichtigsten Personen auf einer Hochzeit. Sie waren die Erstverantwortlichen. Der Taufpate, der „Göd“, war Trauzeuge. Die Taufpatin, die „Godl“, war für die Küche und für das Kochen des Hochzeitsessens verantwortlich, gleich ob die Hochzeit im Haus oder im Gasthaus abgehalten wurde. Erst seit den 60er-Jahren kochen die Gastwirte das Hochzeitsessen.

Früher wurde eine Woche vor der Hochzeit mit dem „Zurichten“ begonnen. Das besorgten die Frauen, die aus der Verwandtschaft von Seiten der Braut und des Bräutigams waren. Sieben bis acht Frauen wurden für die Vorbereitungsarbeiten eingeladen. Die Zurichterweiber, wie man diese nannte, lud die jeweilige Mutter ein, also die Brautmutter oder die Mutter des Bräutigams. Die Hochzeitseltern schlachteten je ein Schwein, oft wurde auch ein Kalb gemeinsam zur Schlachtung gekauft.

Die Verwandtschaft und die geladenen Hochzeitsfamilien schickten Naturalien für das Hochzeitsessen. Es wurden Eier, Zucker und Mehl gebracht, am Tag der Schlachtung Hühner, Gänse und Enten. Dies war zur damaligen Zeit kein Problem, denn jedes Haus hatte genug Geflügel aller Art, auch genug Eier, da die Bauern Selbstversorger waren.

Am Tag vor der Hochzeit wurden noch die Stuben ausgeräumt, die Bänke und Tische gestellt, Geschirr zusammengetragen und die Kessel für das Kochen der Einmachsuppe (Gramperlsuppe) aufgestellt. Da die meisten Hochzeiten damals daheim gefeiert wurden, fand die Hochzeit in jenem Haus statt, wo die größten Räume vorhanden waren. Die Zimmer wurden für die Feierlichkeiten der Hochzeit ausgeräumt und nach dem Essen auch für das Tanzen.

An einem Sonntag vor der Hochzeit gingen die Eltern der Braut in das Elternhaus des Bräutigams, um die Hochzeit zu besprechen. Dies war das so genannte „Gastmahl“, weil sich die Eltern der Brautleute oft das erste Mal als zukünftige Verwandtschaft trafen. Die Braut schickte der Mutter des Bräutigams einen Gugelhupf und nach der Besprechung wurden die Eltern der Braut mit Essen und Wein bewirtet.


Geschichten aus Gols
Johann Nittnaus

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