„Jesus 23“

Ich gehe Streife. Die Nebenfahrbahn der Etrichstraße entlang Richtung Kaiser Ebersdorfer Straße. Es ist, wie man so schön sagt, arschkalt. Vormittag ist nicht allzu viel Verkehr. Als ich an der Einmündung zum Muhrhoferweg vorbeikomme, spricht mich ein Passant an. „Dort vorne steht ein PKW, Herr Inspektor, dort sitzt ein Mann auf dem Fahrersitz und rührt sich nicht.“ „Ich werde mir das anschauen, vielen Dank für den Hinweis.“ Man merkt schon, dass ich noch recht gut drauf war. Der Dienst begann schon wieder, mir zu gefallen. Als mir der Wecker um 05:00 Uhr morgens aus den Federn half, schien die Welt unterzugehen. In der Nacht zuvor wurde es etwas länger. Meine Birne dröhnte und tat weh. In der Gegend des Kerngehäuses ging eine Big-Band musizierend im Kreis und versuchte, gute Stimmung zu verbreiten. Der Kaffee in der Früh brachte mich wieder halbwegs in das Leben zurück. Anhand der brennenden Morgenzigarette konnte ich mich orientieren, wo hinten und wo vorne war.

Da stand nun der besagte PKW. Ein grüner VW Käfer. Die Frontscheibe war innen angelaufen. An der Seitenscheibe der Beifahrertüre konnte man in das Innere sehen. Da saß tatsächlich ein Mann, ca. 30 – 35 Jahre alt, hinter dem Lenkrad. Die Augen hatte er geschlossen und er rührte sich nicht. Ich begab mich auf die Fahrbahn und rieb mit der flachen Hand den Reif an der Scheibe der Fahrertüre ab. Na servas, der Mann machte einen durchaus reglosen Eindruck. Er war auch nicht allzu sehr warm angezogen. Ist der erfroren, oder was? Vielleicht schläft er nur? Ich klopfte mit der flachen Rechten auf das Fahrzeugdach. Vorerst nur verhalten. Dann schon stärker. Schließlich trommelte ich mit der Faust auf das Autodach dass er auch munter geworden wäre, wenn er tatsächlich über Nacht erfroren wäre. Aber nein!, er rührte sich nicht. „Funkstelle von Konrad 23.“ „Funkstelle.“ „Den Notarzt nach 11., Muhrhoferweg – Etrichstraße, vermutlich ein Exitus.“ Während ich meine Pistole ziehe um damit die Seitenscheibe einzuschlagen, sehe ich plötzlich, dass er den auf der Nackenstütze angelehnten Kopf leicht nach rechts verdreht. Der spielt mit mir, oder er ist ein überraschter Fahrzeugdieb und stellt sich jetzt nur schlafend.


„KONRAD 3“ von Funkstelle … !
Hermann Szodl

192 Seiten
22,00 €