„Peter Pan“

Peter Pan, ein Kapitel für sich, viel gesprochen, nie gesehen.

Wahrscheinlich auch nichts verpasst.

„Na endlich, dass ich Sie einmal erreiche. Sieben Mal rufe ich schon an bei Ihnen, was machen Sie denn so …?“ Kontrolleur, PP?

Natürlich würde ich ihm am Telefon sofort haarklein meine Privatsphäre ausbreiten, wovon sprechen wir eigentlich?

Dieses „Kennenlernen“ war reine Telefonsache, Aushorchen, den Finger krümmen zum Telefonieren, bequem am Sofa, keinen Euro Sprit für unnötige Kilometer ausgeben. Er konnte sich nicht von seinem Beruf trennen, wollte arbeiten solange er kann, dafür gönnte er sich einiges. Es wäre ihm wichtig, dass seine Partnerin im Büro mitarbeitete, wenn möglich auch den Haushalt schupfte. Traf sich gut, dass auch ich selbstständiges Arbeiten gewohnt war (aber nicht bis ich 100 bin).

Er aber fuhr mit seinem Sportwagen gerne öfter in die Berge, ging auf einen Kaffee weg – wo bliebe ich? – ich hatte den Eindruck, dass er eher alles für sich alleine entschied, selbstgerecht. Ständig wollte er mich über mein Leben aushorchen in häufigen Telefonanrufen.

Berufsbedingt seit Jahrzehnten auf den Straßen in Nachbarländern unterwegs hatte er Gelegenheit, über seine Kollegen Nachforschungen über mich anzustellen, das konnte ich im Gesicht eines Bekannten lesen.

Diesen Kaffee und Kuchen konnte ich abhaken, ich würde ihn nicht treffen wollen. Mit falschen Menschen habe ich nichts am Hut. Er ist ein großer Egoist, kann ich mir denken.

Ich sprach eigentlich ganz gerne mit ihm, er plauderte ganz nett, konnte mir viel berichten von seinen großen Fahrten. „Ja, Sie können gerne zu mir kommen, aber gehen sie nicht zu nahe an den Gartenzaun, der mein Grundstück umgibt, denn meine großen, scharfen Hunde würden Sie erschrecken, die lassen niemand ran.“

Mittlerweile wusste ich auch, wo er lebte und wie ich ihn erreichen konnte. So neugierig konnte ich gar nicht sein, um nach diesem Schnösel zu schauen. Ganz abgesehen von den Hunden würde ich mich keinerlei Gefahren aussetzen.

Wenn ich so nachdenke, wäre dieser Peter Pan keinen Kilometer wert gewesen. Der sparsame Mann schont meine Geldbörse, wieder Diesel gespart.

Da setze ich mich lieber allein hinauf in die „Bohne“, in die „Schärf Kaffeerösterei“, trinke meinen kleinen Espresso, selbstverständlich mit einem Stück, na, was denn wohl, die Auswahl ist so klein, dass ich nie weiß, was ich nehmen soll. Brownies, Applepie oder diesen amerikanischen Cake. Das Kuchenangebot lässt zu wünschen übrig. Kein Wunder, dass ich hier nicht viele Menschen antreffe. Ich werde mir zum nächsten Kaffee ein Stück Mehlspeise von zu Hause mitbringen.

Was mich hier rauf zieht ist die kühle Atmosphäre, der Ausblick über die Stadt, der Blick zum See und hinüber zum Pannonia Tower Hotel, zu dessen Füßen die Stadt in der Stadt liegt – das Outlet Center.

Besonders schön ist es, wie jetzt im Frühling draußen auf der Dachterrasse zu sitzen, wenn der Wind leicht um die Nase weht.

Ja, genau, ich war auch vor einigen Tagen hier gewesen mit Jürgen.

Ich traf ihn zufälligerweise im Outlet, als ich die Auslagen von „van Laak“ inspizierte, als er mit einer Einkaufstüte aus dem Laden kam. „Hallo, hallo“, war schön, ein unverhofftes Wiedersehen mit ihm. „Was hältst du davon, wenn wir auf einen Kaffee in die ‚Bohne’ gehen?“ Viel. Wir begaben uns zu unseren Wagen, fuhren weg und parkten nach einer halben runden Kreisfahrt vor dem Kaffeetempel. Er saß gerne da oben, trank hier seinen Kaffee, bevor er die Heimreise antrat, genoss, wie ich, den Überblick über die Landschaft, die weite Ebene.

Ich machte ein paar Fotos von ihm, entnahm meiner Börse, als es ans Zahlen ging, meine COFFEE-CARD „Geschmack“ VOLL SAMMELN, um sie wieder mit einem Kaffeebohnen-Stempel abstempeln zu lassen. Jürgen war erstaunt: „Das wusste ich gar nicht, dass man hier auf eine Kaffeetasse einen Punkt bekommt“. Er ließ sich eine Karte geben und so bekam er gleich zwei Punkte.


Sturmwind der Seele
E. M. Tollovich

217 Seiten
18,70 €