„Traumpartner“

Viele Menschen suchen nach ihrem Traumpartner, ich nicht. Die Inserate scheinen vermehrt in partnerschaftliche Richtung zu laufen. Es muss sich unter diesen Angeboten nicht unbedingt der Traummann verstecken, vor allem der Eine kann für eine Andere bestimmt sein, nur nicht persönlich werden!

Ich habe keine Eile. Den idealen Partner unter den vielen „Traumpartnern“ heraus sieben für jemand anderen kann nicht mal ein Hellseher. Selbst diese haben verunglückte Beziehungen, Ehen hinter sich, nicht nur eine. Idealisierende Vorstellungen von einem Lebenspartner sind im wirklichen Leben unbrauchbar.

Wenn das Träumen von einem „Prinzen“ nicht gar so schön wäre.

Nicht jeder Prinz muss ein Idealfall sein, nur weil er „Prinz“ ist. Es liest sich schön in den Annoncen von wunderbaren Herren, weil mancher sich so beschreibt, wie er sich selber gerne sähe, der sämtliche körperliche Vorzüge mit besten Charaktereigenschaften in sich vereint. Damit ist der erste Schritt getan, um den überzogenen Ansprüchen der Singles entgegenzukommen. Wenn die Gegenüberstellung beim ersten Date der Wirklichkeit Stand hält – Glückwunsch! Für ein Leben zu zweit werden mehr oder weniger Abstriche im Alltag gemacht werden müssen, wenn die Chemie stimmt, ist schon viel gewonnen!

In den Tagträumen von Kuschelbären, miteinander Lachen, trauter Häuslichkeit, Gartl’n, Mostheurigen, Bergsteigen, Reisen, Weihnachtszauber und Silvesterfeuerwerk ist alles dabei, um die Vorlieben eines echten Anwärters zu teilen.

Die äußere Erscheinung ist maßgebend, gepflegt, sympathisch, die innere Erscheinung, das Unsichtbare im Menschen tritt später zu Tage, dies darf keine unliebsamen Überraschungen bringen. Ehrlich, intelligent, geistvoll, und auch unkompliziert miteinander umgehen und so weiter, jeder Mensch setzt eigene Prioritäten an den Partner seines Lebens.

Es gibt ihn nämlich doch, den netten, älteren Herrn, der genauso einsam ist wie die ältere Frau. Die Ansprüche auf den neuen Partner sind nicht kleiner als in jungen Jahren, aber doch etwas milder geworden, nicht aber mit Blindheit beschlagen die Augen (auch hier – Ausnahmen bestätigen die Regel), sollte man meinen. Das Herz ist es, das sofort anspringt bei Liebe auf den ersten Blick, wenn es gleich einer riesigen Welle umspült, mitgerissen wird in die Aura des anderen. Ausgekühlte, verletzte, verhärtete Herzen bleiben kalt, sie stehen vor einem Tor, das sich von ihnen nicht öffnen lässt. Sie glauben nicht mehr an die Liebe, sie schauen um sich, ungläubig, dass jemand anderen in ihrem Umfeld der Liebes-Blitz getroffen hat, nein, soviel Wärme kann es für ihn selbst nicht mehr geben. Der Verstand tut das Übrige dazu, schaltet auf stur, das Herz verbohrt sich in selbst verordnete Einsamkeit. Sie leiden. Entweder – Oder!

Habe ich das Rückgrat zu meiner Entscheidung zu stehen, einen neuen Partner in mein Leben zu lassen, der ja nicht unsichtbar ist, dann ist Selbstbewusstsein oberstes Gebot. Weiter seiner Wege gehen, sich um das Getratsche, Getuschel hinter meinem Rücken nicht zu sorgen!

Ich kann mich nirgendwo mehr blicken lassen, sagen ängstliche Menschen. Ich könnte einen Freund fragen, sagen sie, wie er dazu steht, was er mir raten würde im Ernstfall einer Bekanntschaft, für den Rest des Lebens. Wie viel Rest habe ich noch, zahlt sich das noch aus? Diese Umstellung, Veränderung, Aufregung, die man erzeugt in seinem Umfeld. Nein, diese Überlegungen macht man am besten mit sich alleine aus.


Sturmwind der Seele
E. M. Tollovich

217 Seiten
18,70 €