Respekt: Türöffner vom Destruktiven zum Konstruktiven

„Ich weiß nicht, was ich gesagt habe, bevor ich die Antwort meines Gegenübers gehört habe.“ Paul Watzlawick, Kommunikationswissenschaftler

Berührtheit: Sie ist die Grundlage für eine neue Form, respektvoll miteinander und mit der Erde zu leben.

Respekt meint dabei nicht die Unterwerfung unter Machtansprüche anderer. Respekt – so klärt uns das lateinische Wort „respicere“ auf – bedeutet Umsicht und Rücksicht. Sie und die damit verbundene Behutsamkeit dürfen durchaus als Leitstern für den Weg in eine gute planetare Zukunft gelten und sollten daher zum grundlegenden und umfassenden Bildungsgut aufsteigen. Eine daraus entstehende Respektkultur umfasst ganz im Sinne der Umsicht verschiedene Aspekte des Lebens:

Jedem dieser Aspekte können kulturelle Entwicklungsschritte zugeordnet werden, für die zu befähigen vordringliche Aufgabe zukünftiger Bildung sein sollte:
The planet: Respekt vor der Erde
ist die Basis für ökologisches Handeln und unsere Verantwortung für die Welt unserer Nachkommen – durch möglichst geringe Beschädigung zukünftiger Lebensgrundlagen und die generationengerechte Schonung von Ressourcen. Mit der Pandemie beginnen wir nun jene Epoche des Verzichts, die uns lange schon als einziger Weg angekündigt wurde, mit der die globale Situation zwischen Nord und Süd, Ökonomie und Ökologie in Balance kommen kann. Also dann: kultivieren wir ihn weiter!

Beauty: Respekt vor Schönem
hilft die Sinne zu stimmen und Sinn zu finden. Wer gerade Mozart hört, kann keinen Hass entwickeln, die Gewaltbereitschaft sinkt gegen Null. Auch deshalb meint der Literat Bachtyar Ali: „Unsere Rettung liegt in der Rettung von Geschichten.“

Yourself: Respekt vor sich selbst
bedeutet, Talente zu pflegen und sich selbst als gesellschafts- und zukunftsgestaltend zu würdigen – aber auch, an der Heilung erlittener Verwundungen interessiert zu sein. Und für sich selbst einzustehen, um respektiert zu werden. Die innere Sicherheit gilt als Voraussetzung für Autonomie und gesellschaftliche Teilhabe, aber auch die eigene Fähigkeit, Respekt zu entwickeln; die internationale Studie „Nature Communications“ belegt die beeindruckende Langzeitwirkung von entgegengebrachtem Respekt: Selbst wenn sie aus belasteten Lebenssituationen stammen oder/und diese immer wieder bewältigen müssen, zeigen in der Kindheit respektierte Menschen noch nach 40 Jahren Fairness und respektvolles Verhalten. Versagen findet nicht dann statt, wenn wir einer Vorgabe nicht entsprechen, sondern wenn wir uns und einander den Respekt versagen. Wichtiger als das Können ist das Gönnen …

Needs: Respekt vor den Grundbedürfnissen aller
Der Mensch ist ein Wesen, das im Raum nach Orientierung und Beheimatung sucht – erst dann ist er zur vollen Übernahme von Verantwortung fähig. Die diesem Prozess zugrunde liegende zentrale Fähigkeit ist die der menschlichen Empathie – besonders aber deren innewohnendes Lernprogramm, nach oft turbulenten Zeiten des Wandels Beheimatung auf einer weiteren zivilisatorischen Entwicklungsstufe herzustellen. Gerade heute ist die Weltbevölkerung durch die von ihr ins Leben gerufenen Herausforderungen zu einem solchen Entwicklungsschritt ins Neuland gerufen.

Differences: Demokratischer Respekt durch zivile Präsenz

Zivile Präsenz
folgt nicht medialer Hysterie, sondern menschlichem Ermessen
unterscheidet zwischen Risiko und Gefahr
versucht Zusammenhänge zu erkennen – und die meist unsichtbaren Opfer von meist unsichtbaren Macht- und Finanzinteressen
entwickelt Be- und Entgegnungsfreude nicht nur mit den vermeintlich Ähnlichen in sozialen Blasen, sondern im Dialog mit den vermeintlich ganz anderen
setzt dem Inhumanen mutig Grenzen
und übt eine politische Haltung, die nichts besser weiß, aber durch Gewaltfreiheit vieles besser macht.

Conflicts: Respekt im Konflikt

Noch einmal: Frieden ist Konflikt, der mit besseren Mitteln ausgetragen wird. Respekt ist dieses bessere Mittel – und die Grundlage angebrachter Kommunikation. Er achtet daher die Gegensätze zwischen verschiedenen Standpunkten, nicht aber Besserwisserei, Abwertung, Spott und Hass, Alleinvertretungsansprüche, Angstmacherei und Hysterie. Respekt umfasst also nicht nur die Anerkennung des anderen, sondern auch Aufrichtigkeit. Sie ist es, die allem, was diese Anerkennung verhindert, entgegentritt.

ZUSAMMEN HALT FINDEN
Mit dem Grünen Band durch die Krise zum besseren Leben für alle

Gerald Koller

152 Seiten
24,00 €